Geschichte des TV Niebelsbach 1903 e.V.

Adolf Krämer, der Gründer des Vereins.

Unser letzter Bericht endete mit der Fahnenweihe vom 27.-29. Juni 1914 und mit der Bemerkung Wehrfähigen, daß zu diesem Zeitpunkt in Europa der erste Weltkrieg ausbrach.

Millionen von Menschen mußten dabei ihr Leben lassen. Die Vereinstätigkeit während des Weltkrieges kam vorübergehend zum Erliegen, da alle wehrfähigen Männer zum Kriegsdienst eingezogen wurden und die sich immer stärker auswirkende Mangelwirtschaft die Bevölkerung sehr belastete. In der ersten Mitgliederversammlung nach dem Krieg am 26. Januar 1919 gedachte man der 14 gefallenen Vereinskameraden. Zwei waren zu diesem Zeitpunkt noch in Kriegsgefangenschaft. Ferner wurde beschlossen, neue Mitglieder zu werben, die bis April kostenlos dem Verein beitreten konnten.

Wilhelm Becker als Vorstand, Adolf Krämer als Schriftführer und Friedrich Ott als Kassier, wurden neu gewählt. Der Verein hatte nunmehr 68 Mitglieder. Karl Glauner erhielt den Auftrag, Versäumtes nachzu- holen und die Festbilder der Fahnenweihe von 1914 in Stuttgart anfertigen zu lassen. Für diese Reise erhielt er 10,- Mark aus der Vereinskasse. Man trat dem Schwäbischen Turn- und Spielverband bei und besuchte im April 1919 den Gautag in Neuenbürg.

In einer Versammlung am 19. April 1919 wurden die jüngeren Mitglieder aufgefordert, die regelmäßigen Turnstunden zu besuchen. Die Geselligkeit im Verein wurde wieder gepflegt und am 13. Juli fand im Vereinslokal ein Konzert mit Tanz statt. Adolf Krämer ging beim Gauturnfest in Neuenbürg als Kranzsieger hervor. Zum ersten Mal wird berichtet, daß die Faustballspieler am 14. September 1919 in Ottenhausen den 7. Platz und am 21. September beim Verein für Bewegungsspiele in Pfinzweiler den 3. Platz belegten. Dies durfte wohl die Geburtsstunde des Faustballs beim TVN gewesen sein. Bei der Generalversammlung Ende 1919 wurde Adolf Krämer zum 1. Vorstand und Wilhelm Hermann zum 2. Vorstand und Schriftführer gewählt. Erstmals wird von der Gründung eines Sängerclubs berichtet, der schon bei der Weihnachtsfeier seinen Auftritt hatte. In der Versammlung am 13. April 1920 wurde beschlossen, mit dem Abgraben des Turnplatzes zu beginnen. Bis zu diesem Zeitpunkt bestand der Turnplatz aus einer einfachen Waldlichtung. Jedes Mitglied wurde verpflichtet, entsprechende Arbeitsstunden zu erbringen.

Der Mitgliedsbeitrag erhöhte sich auf 40 Pfennige für Zöglinge und 80 Pfennige für Turner. Beim Turn- und Spielfest am 29. August 1920 waren erstmals auswärtige Faustballmannschaften aus Ottenhausen, Feldrennach und Pfinzweiler zu Gast. Dabei gab es noch eine Schießbude, Verlosungen und ein Carussel für die Kinder. Beim Gauspielfest am 25. Juni 1922 errang der TVN erstmals die Gaumeisterschaft. Beim Gauturnfest in Gräfenhausen am 22. Juli 1923 holten unsere Turner am Barren den 1. Preis. Die Geldentwertung als Folge der Kriegslasten war nunmehr in vollen Gange. So wurde im Juni 1923 der Vierteljahresbeitrag auf 2000,- Mark für Zöglinge und 5.000,- Mark für Turner festgesetzt. Bereits im August betrug der Monatsbeitrag 20.000,- Mark.

In dieser schweren Zeit der Inflation hatte Vorstand Adolf Krämer größte Mühe den Verein finanziell über Wasser zu halten. Schriftführer Karl Boger konnte aber anläßlich der Abendunterhaltung am 2. Februar 1924 berichten, daß nach dem Währungsschnitt der Kassier Friedrich Becker wieder 100,- Goldmark in der Kasse hatte. Beim Schauturnen am 20. Juli 1924 trat erstmals eine Damenriege des TV Gräfenhausen mit Keulengymnastik auf. Der Reingewinn dieser Veranstaltung in Höhe von 100,- Goldmark wurde für die Musterriege von 12 Turnern beim Verbands turnfest in Degerloch zur Ver- fügung gestellt. Das Schau turnen vom 20. Juli 1924 hatte ein unangenehmes Nachspiel. Der amtierende Volksschullehrer beschuldigte den Verein, einige Schüler betrunken gemacht zu haben. Gegenseitige Beleidigungen waren die Folge, die auch vor dem Bürgermeister nicht geschlichtet werden konnten. Man nahm einen Rechtsanwalt um vor Gericht zu klagen. Nachdem die Klage beim Amtsgericht Neuenbürg abgelehnt wurde, legte der Verein Beschwerde beim Schwurgericht in Tübingen ein. Dort einigte man sich, allerdings erst, nachdem der Schulleiter erklärt hatte, daß es nicht seine Absicht gewesen sei, Turnverein und Vorstandschaft zu beleidigen. Die Kosten wurden hälftig getragen.

Die Generalversammlung vom Oktober 1924 beschloß u.a. sich für das Gauturnfest im kommenden Jahr zu bewerben. Nachdem der TVN den Zuschlag erhielt, war man in den kommenden Monaten eifrig bemüht, gute Vorarbeit für das Fest am 5. Juli 1925 zu leisten. Es sollte nicht unerwöhnt bleiben, daß wohl aus der Sängerschar des TVN heraus am 12. Oktober 1921 der “Gesangverein Eintracht Niebelsbach” gegründet wurde. 69 Mitglieder zählte der neue Verein. Vergleicht man die Namen, so ist unschwer festzustellen, daß es sich dabei überwiegend um Mitglieder des Turnvereins handelte. Erster Dirigent war Lehrer Adolf Schuhmacher. Erster Vorstand war Adolf Bischoff, zweiter Vorstand Wilhelm Hermann. Der Mitgliedsbeitrag mußte pro Singstunde bezahlt werden. Nach anfänglichen Erfolgen forderte aber auch hier die Inflation ihren Tribut. Nachdem der Dirigent von Singstunde zu Singstunde sein Gehalt bekam und dies am 04. August 1923 die Höhe von 120.000,- Mark und am 25. August 1923 schon 1.500.000,- Mark betrug, kam das Vereinsschiff ganz schön ins Wanken. Die Ausgaben beim Konzert am 30. September 1923 betrugen 1.012.700.000,- Mark. Zahlen wie heute in unserem Bundeshaushalt nur damals eben wertlos. Man wagte 1924 einen Neuanfang und im Februar 1924 betrug der Kassenstand schon wieder 88,21 Goldmark. Von mangelndem Singstundenbesuch, ständigem Dirigentenwechsel und schlechter Kassenlage wurde immer wieder berichtet. Nach dem Besuch des Sängerfestes am 25. Juli 1926 in Ottenhausen und einem Kassenbestand am 31. Oktober 1926 in Höhe von 5,87 Goldmark löste sich der Gesangverein “Eintracht Niebelsbach” wieder auf.

Reinhard Boger 
Handballmannschaft 1930